Schockierendes Zusammentreffen mit der Rallye Budapest-Bamako

Bild: tsadri / flickr (BY-NC-SA)

Von afrique-europe-interact

Am 29. Januar, auf der Rückfahrt von Nioro du Sahel machen die Busse der Karawane einen Halt in Djenna, einem kleinen Rastort etwa 3 Stunden vor Bamako. Große Jeeps stehen breitspurig am Strassenrand und vor den kleinen Restaurants, es sind etwa 20 Wagen. Die an Stoßstangen befestigten Ochsenschädel, Plaketten und Sponsorenaufkleber, mit denen die Wagen komplett gepflastert sind, geben Auskunft: es handelt sich um die Rallye Budapest – Bamako, eine Nachfolgevariante der berühmt berüchtigten Rallye Paris-Dakar. Letztere war aufgrund massiver Proteste nach Südamerika verlegt worden. Im Vordergrund der Kritik stand die mit der Tour verbundende Umweltverschmutzung. Eine anderer Grund war, dass es an der Strecke jedes Jahr mehrere Tote gab, weil die hochmotorigen Wagen mit voller Geschwindigkeit durch Ortschaften rasen und dabei Menschen an- und überfahren.

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Ein die Karawane begleitendes Filmteam nutzt die Gelegenheit, die ungarischen Fahrer und Fahrerinnen danach zu befragen, wie es bei ihrer Rallye vonstatten geht. Die zu den Jeeps gehörigen Teams sitzen, ähnlich auffällig wie ihre Autos, in größeren Gruppen beim Essen. Das Interview, dass an einem der Tische geführt wird, ist schockierend. Der immer wieder reproduzierte Mythos vom großen Abenteuer wird gleich eingangs bemüht: 400 Personen in 150 Wagen über zwei Wochen im „wilden Afrika“. Was daran wild sei, möchte die Interviewerin wissen. „Alles. Grenzen überqueren, die Sahara durchqueren.“ In offen verächtlichem, herablassendem Tonfall äußern sich die Befragten danach zu den
„Schwierigkeiten“, die ihnen auf ihrer mehr als 8.500 Kilometer langen Tour, zu der sie am 15. Januar in Budapest aufgebrochen sind, bislang entstanden sind. Mit den Komplikationen an den Grenzübergängen sind sie sehr unzufrieden. Auch Steine seien hin und wieder nach ihnen geworfen wurden. Ein Fahrer schildert folgendes:

„Es war nahe Dakar, ja. Da hat ein Auto ein oder zwei Kinder getötet (“killed”). Es gab einen großen Auflauf (“crowd”), eine lange Schlange (“queue”), alle haben den Motor abgestellt. Wir sind links daran vorbeigefahren und haben es gesehen. Die Menge hat dann Steine geworfen. So machen sie das hier in Afrika. Wir haben das vorher schon gehört. Wenn man eine Kuh überfährt, oder einen Hund oder ein Huhn, dann musst du einfach weg, einfach los. Sonst machen sie dir Schwierigkeiten und man kommt da nicht wieder raus, wirklich, 100 Prozent.“

Mit der Dokumentation dieser Begegung verurteilt die Karawane für Bewegungsfreiheit und gerechte Entwicklung jegliche menschenverachtende, rassistische, neokoloniale „Abenteuersuche“, die damit verbundenen Geschäfte, die unter dem Deckmantel der humanitären Hilfe stattfinden und den unverantwortlichen Umgang von Organisatoren und Teilnehmenden. Rallyes dieser Art gehören abgeschafft!

In der tageszeitung ist am 3. Februar der Hintergrundartikel von Christian Jakobs erschienen.